didacta 2022 in Köln: Wieder was gelernt!

Mir tun die Füße weh, und mein Kopf ist noch voller Eindrücke. Kein Wunder: Fünf Tage lang war ich auf der diesjährigen didacta unterwegs, der großen Bildungsmesse in Köln. Fünf Tage lang war ich am Stand von AixConcept als Moderator im Einsatz. Auf der Bühne habe ich zahlreiche Gespräche über digitale Technologien in Schulen geführt – mit Lehrer*innen, Schulleitungen, IT-Fachkräften und Bildungsexperten aus ganz Deutschland.

Jetzt wird es Zeit, meine Eindrücke von der didacta 2022 zu sortieren und ein Fazit zu ziehen: Welche Erfahrungen machen Lehrer*innen seit der Pandemie? Wo hakt’s immer noch mit der Digitalisierung in Schulen? Mit welchen Lösungen wollen Unternehmen überzeugen? Und warum war die didacta eigentlich so schlecht besucht?


Wichtiger Branchentreff, aber kein Publikumserfolg

Zum ersten Mal seit drei Jahren konnte die didacta endlich wieder stattfinden – diesmal eben wieder in Köln. Aber der Blick auf die offiziellen Zahlen ernüchtert: 2019 vermeldete die Koelnmesse GmbH rund 100.000 Besucher. Diesmal waren nur 35.000 Besucher dabei, um sich über neue Trends in der Bildungsbranche zu informieren. Auch wenn sich die 🌍 Pressemitteilung viel Mühe gibt: Dieser krasse Besucherrückgang lässt sich nicht leugnen!

Das war bereits meine dritte didacta als 🌍 Moderator. Vom ersten Tag an waren die Hallen merklich leerer als in den Jahren vor der Pandemie. Das hat sicher mehrere Gründe: Der unglückliche Termin im Anschluss an Pfingsten, Ferien in einigen Bundesländern, die anhaltende Corona-Sorge …

Messestand von AixConcept auf der didacta 2022
Messestand von AixConcept auf der didacta 2022

Dazu kommt: Einige große Firmen – sonst Platzhirsche auf der Messe – haben sich diesmal gegen einen Stand auf der didacta 2022 entschieden. Die Schulbuchverlage Klett und Cornelsen waren nicht wie in den Vorjahren vertreten. Auch große Tech-Firmen wie Microsoft und Adobe hatten keine Stände auf der Messe und fehlten als Anziehungspunkte.

Zufriedene Aussteller dank guter Gespräche

Die meisten Aussteller, mit denen ich persönlich gesprochen habe, waren trotzdem zufrieden – vor allem mit der Qualität ihrer Beratungsgespräche. Der Austausch mit Entscheidern und Multiplikatoren ist auf einer Messe eben mehr wert als Massen von Besucher*innen mit Rollkoffern, die die didacta nur zum Sammeln von Kugelschreibern, Brotdosen und anderen Werbegeschenken besuchen.

Auch beim Networking-Abend hat man gespürt, wie groß das Bedürfnis der Bildungsbranche nach persönlichem Austausch war. Auf den Rheinterrassen – bei Grillfleisch und Kölsch – laufen Gespräche eben anders ab als per Videokonferenz. Insofern steht unter der Rechnung der didacta 2022 sicher nicht nur ein Minuszeichen.

Networking-Abend auf den Rheinterrassen in Köln
Networking-Abend auf den Rheinterrassen in Köln

Experten auf der didacta 2022 in Hochform

„Wir müssen Kinder auf eine veränderte Welt vorbereiten“, sagt Wassilios Fthenakis schon seit vielen Jahren. Der rastlose 85-Jährige ist nicht nur Ehrenvorsitzender des didacta-Verbands, sondern auch Pädagoge, Psychologe, Anthropologe und vieles mehr. Mein Interview mit Wassilios Fthenakis auf der AixConcept-Bühne war mein persönliches Highlight auf der didacta 2022 in Köln.

Wassilios Fthenakis steht für lebenslanges Lernen. Der sympathische Professor hantiert souverän mit seinem Smartphone und erzählt mir nebenbei, wie er sich von seinem Enkel die digitale Welt erklären lässt. Im Interview pochte Fthenakis immer wieder darauf, dass Bildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Dass Wissenschaft und Forschung uns bei Bildungsfragen leiten sollten. Dass die deutsche Politik immer noch zu wenig tut, um unser Bildungssystem voranzubringen.

Ein weiterer Experte war ein unerwarteter Publikumsmagnet: Fachanwalt Dr. Frank Schidlowski hat auf der didacta 2022 Fragen zum Digitalpakt Schule beantwortet. Das Thema „Vergaberecht“ – eigentlich trocken und inhaltsdicht – haben wir auf der Bühne so behandelt, das wohl alle Zuhörer*innen etwas lernen konnten.


Endlich Geräte – aber kein Internet in Schulen!

Das habe ich bei meinen Gesprächen auf der Bühne immer wieder gehört: Seit der Pandemie scheinen die meisten Lehrer*innen mit Tablets und Laptops ausgestattet zu sein. Auch Schüler*innen stehen mittlerweile wohl digitale Endgeräte zur Verfügung. Diese erfreuliche Entwicklung deckt sich mit meinen regelmäßigen Umfragen zu 👉🏻 Dienstgeräten für Lehrkräfte.

ABER: Was nützen die vielen Geräte im Klassenzimmer, wenn’s kein WLAN oder nur lahme Netzwerke mit geringer Bandbreite gibt? Fast alle Lehrkräfte und IT-Beauftragte, mit denen ich auf der didacta gesprochen habe, sind unzufrieden mit dem Internet vor Ort. Oft teilen sich viele hundert Schüler*innen eine popelige DSL-Leitung, während wir zu Hause dank Glasfaser längst mehr als zehn mal so schnell surfen können.

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Na klar, große Kartons mit 🛒 iPads* lassen sich in den Kommunen öffentlichkeitswirksam übergeben. In der Praxis braucht es aber auch die passende Netzwerktechnik, die den besonderen Anforderungen von Schulen mit vielen gleichzeitig genutzten Geräten gerecht wird. Das wird laut der IT-Experten nur selten mitgedacht und ist aktuell offenbar die größte Herausforderung.


Smartboards! Überall Smartboards!

Ich war als Moderator hauptsächlich in Halle 6 im Einsatz. Dort habe ich vor allem wahrgenommen, welche Technologie-Hersteller zur Zeit um den Bildungsmarkt kämpfen. Dabei habe ich vor allem große Bildschirme gesehen – an fast jeder Ecke!

Erfahrene Hersteller wie Smart, ProWise und Promethean haben in den vergangenen Jahren offenbar viel Konkurrenz bekommen. Immer mehr Firmen wollen ihre 👉🏻 Smartboards mit digitalen Stiften in die Klassenzimmer bringen. In den Gängen der didacta-Halle wurde also um die Wette präsentiert und gezeichnet.

Aus meiner Sicht unterscheiden sich die Geräte in der Funktionalität aber kaum. Punkten wollen die Entwickler mit eigenen Benutzeroberflächen und vorinstallierten Tools. Dabei schließen viele Lehrende in der Praxis meist eh nur ihr eigenes Gerät ans Smartboard an. Dank bewährter Apps wie PowerPoint, OneNote und 👉🏻 Whiteboard können sie ihr Unterrichtsmaterial flexibler vorbereiten und auf den großen Bildschirmen präsentieren.

Es bleibt also spannend, welche der vielen Smartboard-Hersteller den Wettbewerb im Bildungssektor für sich gewinnen werden. Dafür braucht es aber in Zukunft mehr Mehrwert und Unterscheidungsmerkmale als einen andersfarbigen Rahmen um den Monitor.


Keine Angst vorm Speichern in der Cloud

Eine Sache überrascht mich: Lehrer*innen scheinen sich mittlerweile sehr daran gewöhnt zu haben, Dokumente und Dateien in einer Cloud zu speichern – statt nur lokal auf der Festplatte. Aus früheren 👉🏼 Fortbildungen an Schulen weiß ich, dass das für viele Kolleg*innen eine psychologische Hürde war.

Laut der Erfahrungsberichte auf der didacta überwiegen im Schulalltag schlicht die Vorteile, so dass die Cloud-Nutzung – auch dank der Pandemie – ganz selbstverständlich geworden ist. Auch 👉🏻 Anwendungen in der Cloud scheinen gut angenommen zu werden, weil sie an jedem Gerät und an jedem Ort mit stabilem Internet funktionieren.


Alle lieben OneNote, aber nicht nur …

Dieser Blog beschäftigt sich vorrangig mit Apps und Programmen von Microsoft in Schule und Unterricht. Deshalb frage ich immer gerne auch nach, mit welchen dieser Tools Lehrkräfte besonders gerne arbeiten. Tatsächlich wurde auf der didacta immer wieder 👉🏻 OneNote genannt, die Notizbuch-Software zum Erstellen und Organisieren von digitalem Unterrichtsmaterial. Das deckt sich immer noch mit der Abstimmung zur Aktion 👉🏻 Lehrers Liebling 2021 in diesem Blog.

Vor allem die praktischen Kursnotizbücher haben mittlerweile doch viele Anhänger – auch im Zusammenspiel mit Microsoft Teams. Die Möglichkeit, Aufgaben digital zu verteilen und zu korrigieren, empfinden viele Lehrer*innen als große Zeitersparnis.

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Word, Excel und PowerPoint sind Bemerkenswert finde ich, dass auch 👉🏻 Microsoft Forms oft eine Rolle in Schulen spielt. Mit dem Formular-Tool werden Umfragen im Kollegium oder vor Klassenfahrten durchgeführt und automatisch ausgewertet. Für Tests und Prüfungen hat sich Forms mit seinen Quiz-Funktionen offenbar noch nicht durchgesetzt.


Dauerthema Datenschutz

Oft ist ja auch der Austausch abseits der Bühne erkenntnisreich. Fast jedes Fachgespräch auf der didacta streift irgendwann das Thema 👉🏻 Datenschutz an Schulen – und ich verkneife mir hier bewusst die Formulierung „leidiges Thema“. Lehrende und IT-Verantwortliche sind aber weiterhin von der unklaren Lage, der gestreuten Verunsicherung und der schlechten Kommunikation aller Beteiligten sehr genervt.

Um das hier ausgewogen darzustellen: Jede Person, mit der ich auf der didacta in Köln gesprochen habe, findet das Thema Datenschutz wichtig. Jeder Beteiligte wirkt informiert und sensibel für den Umgang mit personenbezogenen Daten. Trotzdem ist die Kritik groß, und zwar …

  • … an Unternehmen wie Microsoft, die sich nicht ausreichend am öffentlichen Diskurs beteiligen würden. Viele Firmenpartner im Bildungsbereich fühlen sich jedoch mit den Diskussionen vor Ort allein gelassen und empfinden den Status Quo als unzumutbare Hängepartie.
  • … an Politik und Behörden, denen es nicht gelingt, sich länderübergreifend auf rechtssichere und nachvollziehbare Rahmenbedingungen zu verständigen. Stattdessen tragen Kultusministerien und Datenschützer politisch motivierte Machtkämpfe aus. Das kostet alle Beteiligten nun schon seit Jahren wertvolle Zeit und Energie.
Stefan Malter mit Laptop

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Viele meiner Gesprächspartner auf der didacta 2022 waren sich einig:

  • Nicht der Datenschutz bremst die Digitalisierung an Schulen aus, sondern die endlosen Diskussionen um einen pragmatischen und praktikablen Umgang damit.
  • Schulen möchten selbst entscheiden können, welche Software-Lösungen am besten zu ihrem Alltag mit Unterricht und Schulorganisation passen. Das ist in den seltensten Fällen eine der von den Ländern angebotenen Lehr- und Lernplattformen.
  • Verantwortliche wünschen sich verlässliche Rahmenbedingungen auf Basis von geltendem Recht, nicht irgendwelchen Vermutungen oder gar Ideologien.

didacta 2023: Nach Köln kommt Stuttgart

Schon im März steht die nächste didacta an – dann nach langer Zeit wieder in Stuttgart. Natürlich können wir nur hoffen, dass bis dahin keine neue Mutante um die Ecke kommt und die Planungen durchkreuzt.

Die Verantwortlichen werden sich auch fragen müssen, ob das Modell Messe in dieser Form noch zeitgemäß ist. Was bedeutet der enorme Besucherrückgang? War die didacta 2022 wegen der Begleitumstände nur eine Ausnahme? Wie lockt man wieder mehr Lehrkräfte auf eine Messe, während sich große Aussteller zurückziehen?

Hoffnung machen mir ein paar Start-ups, die die didacta mit neuen Produkten und Ideen bereichert haben. Nach meiner Beobachtung haben sie in diesem Jahr die Lücke gefüllt und konnten mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn die Messe im Gespräch bleiben will, braucht es Innovationen. Diesen eine angemessene Bühne zu geben – auch über einen kleinen Stand hinaus – sollte ein großes Ziel für die didacta 2023 in Stuttgart sein.

Welche Eindrücke hattest Du von der diesjährigen didacta? Wie hast Du die Stimmung empfunden – und was würdest Du Dir für die Messe im kommenden Jahr wünschen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unter diesem Blog-Artikel!

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