Microsoft 365 vs. Datenschutz in der Schule

Tja, um das leidige Thema Datenschutz komme ich in einem Blog über Microsoft 365 Education nicht herum. Viele Lehrer sind verunsichert, wenn es um den Einsatz der Office-Programme und Cloud-Dienste in Schulen und Bildungseinrichtungen geht. Die laufenden Diskussionen werden teilweise sehr emotional geführt. Ich möchte sie hier im Blog nicht unterschlagen. Mir ist klar, dass man sich mit einer klaren Positionierung eigentlich nur in die Nesseln setzen kann. Ein paar Gedanken rund um den Datenschutz möchte ich an dieser Stelle trotzdem zusammentragen. Schließlich erreichen mich als Medientrainer oft Fragen zum Einsatz von Microsoft 365 bzw. Office 365 in der Schule.

Zur Klarstellung: Ich finde das Thema Datenschutz wichtig. Natürlich ist es sinnvoll, dass unsere persönlichen Daten nicht für jeden zugänglich sind. Wir müssen uns in der digitalen Welt sorgenfrei bewegen können. Selbstverständlich möchte ich die Kontrolle über meine Daten und Inhalte haben und erwarte von Betreibern und Dienstleistern die größtmögliche Transparenz. Um das ansatzweise zu gewährleisten, gibt es in Deutschland und in der EU diverse Regeln und Gesetze – und das ist gut so. Ob diese einerseits eingehalten werden und andererseits noch zeitgemäß sind, sollen und müssen Experten regelmäßig prüfen.


Unmut in der EU, Unverständnis in den USA

Europa ist beim Thema Datenschutz bekanntermaßen besonders sensibel: Ich hatte in den vergangenen Jahren mehrfach die Gelegenheit, den Microsoft-Campus im amerikanischen Redmond zu besuchen. Dort durfte ich mich mit den Köpfen hinter Windows 10, Office, OneNote und Edge, dem Internetbrowser von Microsoft, auszutauschen. Bei den Treffen dort erkläre und verteidige ich immer unsere europäische, sehr vorsichtige Haltung. Dabei blicke ich immer wieder in irritierte Gesichter und ernte Unverständnis.

Autor Stefan Malter auf dem Microsoft Campus in Redmond
Autor Stefan Malter auf dem Microsoft Campus in Redmond

Allein die gedankliche Unterstellung, dass ein Konzern wie Microsoft oder gar die US-Regierung persönliche Daten einsehen und für ihre Zwecke missbrauchen könnten, wirkt auf viele Entwickler wie ein Affront, wie ein Angriff auf ihre Berufsehre. Sie sehen sich auf der „guten Seite“ und wollen ihre Produkte mithilfe der gesammelten Daten nach eigener Aussage nur verbessern. Fortschritt vor Vorsicht – das erscheint uns aus unserer etwas übervorsichtigen deutschen Sicht eher naiv.

Gleichzeitig muss Europa sich den Schuh anziehen, die Entwicklungen im digitalen Bereich komplett verschlafen zu haben. Amerikanische Konzerne wie Microsoft, Apple, Google, Amazon und Facebook haben in den vergangenen Jahren Produkte und Lösungen entwickelt, die weltweit erfolgreich sind. Auf unserem Kontinent gibt es jedenfalls bis heute keine einzige ernstzunehmende Konkurrenz, die mit den Angeboten mithalten kann.

Hinweis auf PayPal

Deshalb halte ich es auch nicht für zielführend, die Dienste der US-Unternehmen pauschal zu verteufeln und an den Pranger zu stellen. Sicher kann, sollte und muss man so manche Vorgehensweise der Firmen auf den Prüfstand stellen. In Diskussionen mit engagierten Gegnern habe ich aber manchmal den Eindruck, dass die Empörung nicht mehr im Verhältnis zur Sache steht. Wie manche Online-Magazine aus Prinzip auf Microsoft & Co. eindreschen und sich einseitig positionieren, ist aus meiner Sicht übler Kampagnen-Journalismus. Verschaffe Dir im Internet gerne selbst ein Bild davon.

Microsoft 365 Education – oder doch lieber eine Alternative?

Wo stehen wir also, wenn es um Windows 10 und Office 365 in Schule und Unterricht geht? Darfst Du Microsoft 365 Education nun nutzen, ohne rechtliche Probleme zu befürchten? Die Verunsicherung bei Lehrerinnen und Lehrern ist groß. Natürlich musst Du Dich in Deiner beruflichen Rolle an Vorgaben halten und solltest die für Dich relevanten Bestimmungen kennen. Sie gelten ja nicht nur für die Arbeit mit Microsoft-Software, sondern für jede Art von digitalen Daten im Schulnetzwerk, auf der heimischen Festplatte und für die Nutzung von Cloud-Speichern.

Aktuell ist die Lage von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Einige Schul- und Kultusministerien befürworten oder dulden Microsoft 365. Manche arbeiten schon mit oder noch an eigenen Plattform-Angeboten, die datenschutzkonform und sicher sein sollen. Diese können aber längst nicht mit dem Funktionsumfang und der Zuverlässigkeit der US-Riesen mithalten. Das kann wohl jede Lehrkraft bestätigen, die mit LOGINEO NRW, mebis (Bayern) oder dem Schulportal Hessen arbeiten muss. Berichte über Probleme haben sich vor allem in der Corona-Zeit gehäuft. Ich kann mir zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls kaum vorstellen, dass diese sogenannten „Lernplattformen“ mit den verfügbaren Budgets langfristig weiterentwickelt und betreut werden können.

Schulportal Hessen - Screenshot
Schulportal Hessen – Quelle: https://info.schulportal.hessen.de/

Ich höre auch oft den Vorschlag, ausschließlich Open-Source-Programme einzusetzen. Die Vorteile: Sie werden transparent entwickelt und sind frei verfügbar. Meiner Erfahrung nach scheitert nicht-kommerzielle Software in der Praxis aber schon bei einfachen Aufgaben, vor allem bei der verlässlichen Zusammenarbeit mit anderen Programmen oder Personen. Außerdem sind Einrichtung, Betreuung und Einarbeitung im Kollegium oft langwieriger. Professioneller Support im akuten Problemfall? Meist Fehlanzeige!

Was spricht für Microsoft 365 in der Schule?

Befürworter von Microsoft 365 Education argumentieren damit, dass Tools wie OneNote, Teams und die Office-Apps leicht zu erlernen und intuitiv zu bedienen sind. Diese Erfahrung kann ich aus meinen Fortbildungen bestätigen. Die vielen verschiedenen Dienste in dem Angebot greifen zudem flüssig ineinander, können auf unterschiedlichster Hardware genutzt werden und sind nicht ohne Grund in Firmen auf der ganzen Welt etabliert. Bei Fragen gibt es zudem einen offiziellen Support sowie zahlreiche Hilfestellungen im Internet. Ihr Fazit: Wenn wir unsere Kinder fit fürs Berufsleben und die Zukunft machen wollen, dann müssen sie eben auch mit branchenüblicher Standard-Software wie Microsoft Office vertraut sein.

Hinweis auf PayPal

Ich kann diese Argumentation gut nachvollziehen. Voraussetzung dafür ist aber auch, dass endlich alle Seiten zueinander finden und verbindliche Vereinbarungen treffen. Dass es Microsoft seit Jahren nicht gelingt, die Bedenken von Datenschützern und Schulträgern auszuräumen und mit einem rechtlich unbedenklichen Konzept zu überzeugen, macht mindestens stutzig. Das Unternehmen zeigt immerhin Gesprächsbereitschaft und bemüht sich nach eigener Aussage darum, auf Kritik und Vorgaben der EU zu reagieren. Gerade für den Einsatz an Schulen brauchen wir endlich eine Übereinkunft mit klaren Regeln und vor allem Transparenz. Eine Einigung mit den Datenschutz-Behörden würde dazu beitragen, dass bei verunsicherten oder kritisch eingestellten Lehrkräften generell das Vertrauen in die digitalen Möglichkeiten wächst.

Empfehlungen vor dem Einsatz von Microsoft 365 Education

Wir halten fest: Microsoft 365 Education ist eine professionelle Lösung für nahezu alle Bedürfnisse im digitalen Schulalltag. Mit den folgenden Empfehlungen solltest Du auf der sicheren Seite sein und dem Thema Datenschutz in der Schule gerecht werden:

  • Für die Erstellung von Unterrichtsmaterial und pädagogischen Inhalten solltest Du die meisten Programme völlig sorgenfrei verwenden können. Solange Du keine personenbezogenen Daten nutzt, verletzt Du auch nicht den Datenschutz.
  • Informiere Dich bei den verantwortlichen Behörden in Deinem Bundesland, ob und in welcher Form Du Microsoft 365 einsetzen darfst. Vielleicht gehörst Du zu den Glücklichen, die sich über das Thema Datenschutz gar keine Gedanken machen müssen.
  • Falls in Deiner Region gerade noch abgewogen wird: Kommuniziert als Kollegium offen Euren Bedarf, um ggf. notwendige Prozesse anzustoßen und in Eurer Region etwas in Bewegung zu setzen. Vielleicht bietet sich mit Einverständnis der Behörden auch eine Erprobungsphase für Deine Schule an.
  • Liegt Dein Bezirk in einer der vielen Grauzonen, in denen der Einsatz von Microsoft 365 Education geduldet wird oder rechtlich ungeklärt ist? Wenn Du die Plattform trotzdem schon nutzt, dann solltest Du unbedingt über das Einholen von Einverständniserklärungen nachdenken. Im Zweifel bist Du auf der sichereren Seite, wenn Kollegium und Eltern der Verwendung personenbezogener Daten zustimmen.
  • Thematisiert und versachlicht das Thema Datenschutz im Team: Wie steht Ihr als Schule dazu? Was ist Euch wichtig? Der sichere und bewusste Umgang mit privaten Daten gehört meiner Meinung nach zur modernen Medienkompetenz. Die Einführung von Microsoft 365 kann also auch eine wunderbare Gelegenheit sein, sich fortzubilden. Je besser Du informiert bist, desto sicherer fühlst Du Dich im Umgang damit.

Ich werde die Entwicklungen rund um den Datenschutz an Schulen weiter gespannt verfolgen. Natürlich interessieren mich auch Deine Meinungen zum Thema sowie zum Einsatz von Microsoft 365 bzw. Office 365 in der Schule – gerne als Kommentar unter diesem Artikel.

Microsoft 365 Education - Buch bestellen

3 Gedanken zu „Microsoft 365 vs. Datenschutz in der Schule“

  1. Guten Tag, danke für alle Meldungen um Informationen zum Thema. Microsoft Education 365 ist für Schulen zukunftsorientiert und leicht für alle Schüler zu erlernen. Jeder der mit dem Programm arbeitet, kann das sicher bestätigen. Ich möchte hier keine Emotionen äußern, da diese Ausführungen nichts bringen. Für mich stellt sich die Frage, ob über den Elternwillen, die für ihre Kinder die Datenschutzerklärung zum Programm Office Education unterschrieben haben, von staatlicher Seite entschieden werden kann, dass diese Erklärung hinfällig ist. Wir verwenden das Programm sehr erfolgreich, weder Adressen noch Geburtsdaten werden im System transportiert oder gespeichert. Wie sieht die Rechtslage aus? Was kann passieren, wenn wir trotz Elternwille, Education weiter verwenden? Beste Grüße Burkhard Venth

    Antworten
    • Vielen lieben Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Ich verstehe gut, dass das für viele Schulen gerade eine unsichere Situation ist. Ich bin kein Anwalt und kann hier keine verlässliche Rechtsberatung leisten. Empfehlen würde ich Ihnen vielleicht, Ihre berechtigten Fragen mal in unserer Online-Community bei Facebook zu stellen. Dort tauschen sich erfahrene Lehrkräfte aus ganz Deutschland aus (Österreich und Schweiz natürlich auch). Vielleicht hilft es ihnen zu erfahren, wie die vor Ort mit der Situation umgehen.
      https://www.facebook.com/groups/microsoft365de/

      Antworten
  2. Liebe Stefan Malter,

    Danke für den Beitrag. Die getroffenen Aussagen kann ich nur unterstützen. Wie schon erwähnt ist die Unterlassungsaufforderung in Brandenburg/ Potsdam auch über uns gekommen. Mitten in der Pandemie werden Schulen gezwungen ihr Homeschooling auf Grundlage von Teams einzustellen und am besten gleich und sofort auf die vom HPI (Hasso Plattner Institut) entwickelte, „datenschutzsichere“ (prompt erfolge ein Hackerangriff) und in vielen Bereiche noch nicht ausgereifte Schulcoud umzusteigen. Für mich besteht hier wirklich die Frage, inwiefern hier ein Monopol durchgedrückt werden soll. Ist das überhaupt rechtlich? Laut Landesdatenschutzbeauftragte ist selbst die IP Adresse persönliche Daten und die Einverständniserklärung der Eltern ist nicht ausreichend, weil das Bildungssystem verpflichtet ist, Minderjährige zu schützen! Ich finds nur noch erschreckend! Abgesehen davon finde ich Datenschutz auch wichtig und ich finde es auch wichtig sowohl Kinder und Erwachsene zu sensibilisieren! Aber erzählen Sie mal das dem Arbeitsamt in MV die mit Ihren Jugendlichen über What’s App kommunizieren oder den ganzen Jugendclubs (wahrscheinlich in ganz DL) die auch mit ihren Kindern über what’s App kommunizieren!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Microsoft 365 Education - Praxishandbuch
%d Bloggern gefällt das: