Video-Editor: Videoschnitt mit Windows 10

Der Video-Editor ist fester Bestandteil der vorinstallierten Fotos-App für Windows 10. Der Nachfolger des Windows Movie Maker ist leicht zu bedienen und eignet sich gut für einfache Kreativprojekte in Schulen. Mit dem Video-Editor können Lehrer*innen und Schüler*innen eigene Aufnahmen bearbeiten und mehrere Clips zusammensetzen. Außerdem lassen sich Fotos und Texte einfügen und Musik zur Untermalung einsetzen. In der Anleitung in diesem Blog-Artikel erfährst Du mehr über Videoschnitt mit dem kostenlosen Video-Editor.

Voraussetzung für flüssige Videobearbeitung ist ein ausreichend schneller Computer – gerade bei großen Videodateien mit hoher Bildauflösung. Eigene Videos kannst Du zum Beispiel mit einer Webcam* oder mit der Kamera in Deinem Smartphone* filmen. Außerdem empfehle ich Dir, über ein externes Mikrofon für bessere Tonqualität* nachzudenken.


Benutzeroberfläche des Video-Editor im Überblick

Du findest den Video-Editor als Reiter links oben in der Fotos-App oder als eigenen Eintrag im Startmenü von Windows 10. Wenn Du ihn aufrufst, kannst Du im Startfenster direkt ein Neues Videoprojekt erstellen.

Neues Videoprojekt im Video-Editor erstellen
Neues Videoprojekt im Video-Editor erstellen

Gib dem Projekt einen Namen. Nun steht Dir die Benutzeroberfläche zur Verfügung. Sie besteht grundsätzlich aus drei Bereichen:

Video-Editor mit drei Bereichen
Video-Editor mit drei Bereichen
  • Links oben findest Du die Projektbibliothek. Hier kannst Du vorab alle Elemente einfügen, die Du zusammenstellen möchten. Dazu gehören vor allem Deine aufgenommenen Videos, aber auch Fotos und Grafiken.
  • Am unteren Rand der App sitzt das Storyboard, das sich über die gesamte Bildschirmbreite erstreckt. Hier platzierst Du nacheinander Elemente aus der Projektbibliothek und bearbeitest die einzelnen Clips. So setzt Du Dein Video Schritt für Schritt zusammen.
  • Auf der rechten Seite befindet sich das Vorschaufenster. Hier kannst Du Dir die aktuelle Zusammenstellung im Storyboard am Stück ansehen und prüfen, ob Du mit den aufeinanderfolgenden Elementen so zufrieden bist.

Entscheiden vorab noch, in welchem Bildformat Dein Video entstehen soll. Klicke dazu auf die drei Punkte rechts oben in der Menüleiste. Üblich und deshalb voreingestellt ist Querformat (16:9). Das Seitenverhältnis entspricht dem Bildschirmformat aktueller Fernsehgeräte*.

Formateinstellung im Video-Editor
Formateinstellung im Video-Editor

Zum Vergleich: 4:3 ist das Seitenverhältnis früherer Röhrenfernseher. Die Option Als Hochformat festlegen bietet sich an, wenn das fertige Video eher hochkant auf Smartphones angesehen werden soll. Das Format kennen Deine Schüler*innen von der Video-Plattform TikTok. Je nach Einstellung verändert sich das Vorschaufenster auf der rechten Seite in der App.

Übrigens: Wie Du mit Deiner Schulklasse eine komplette eigene Fernsehsendung planst und mit kostenlosen Programmen umsetzt, erfährst Du in meinem Praxishandbuch „Microsoft 365 Education“.

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Videoschnitt mit dem Video-Editor – Schritt für Schritt

Um mit dem Video-Editor ein eigenes Video zusammenzustellen, bieten sich meist die folgenden Schritte an:

  1. Falls noch nicht geschehen: Sammle Dein Ausgangsmaterial in der Projektbibliothek. Klicke oben links auf Hinzufügen und wähle dann im Explorer-Fenster die Videos und Fotos von Deiner Festplatte aus, die für Dein Projekt zur Verfügung stehen sollen.
  1. Ziehe ein Element aus der Projektbibliothek unten aufs Storyboard. Dort wird es mit Vorschaubild und Längenangabe angezeigt.
Vorschaubild im Storyboard
Vorschaubild im Storyboard
  1. Du kannst jedes Element im Storyboard einzeln anpassen und bearbeiten. Die verschiedenen Funktionen dafür findest Du in der Menüleiste direkt über dem Vorschaubild. Ich erkläre sie Dir weiter unten noch im Detail.
  1. Wähle nun das nächste Element aus und ziehe es an die gewünschte Position im Storyboard – auf Wunsch vor, hinter oder innerhalb der bereits erstellten Sequenz. Du kannst die Reihenfolge jederzeit verändern, indem Du einzelne Elemente mit gedrückter linker Maustaste an eine andere Stelle ziehst. Unbrauchbare Elemente kannst Du wieder aus dem Storyboard löschen, indem Du auf das Papierkorbsymbol rechts im Storyboard klickst oder die Entf-Taste auf Deiner Tastatur drückst.
  1. Schaue Dir das Zwischenergebnis im Vorschaufenster an, vor allem die Übergänge zwischen den Clips. Starte das Abspielen mit dem Play-Button. Springe per Zeitleiste an die verschiedenen Positionen.
Vorschaufenster im Video-Editor
Vorschaufenster im Video-Editor
  1. Nimm im Storyboard Änderungen an den Clips vor, bis Du zufrieden bist. Über die Pfeile in der oberen Menüleiste kannst Du Bearbeitungsschritte rückgängig machen oder wiederherstellen. So kümmerst Du Dich nacheinander um alle Elemente, bis Dein Storyboard vollständig ist und bei der Wiedergabe am Stück flüssig wirkt.
  1. Füge auf Wunsch noch Musik oder zusätzliche Audiokommentare ein, so wie weiter unten beschrieben.
  1. Zuletzt musst Du Dein Video fertig stellen – über die Schaltfläche rechts oben im Menü. Erst dann fügt der Video-Editor alle Elemente zu einer einzigen Videodatei zusammen. Je nach Umfang des Storyboards und je nach ausgewählter Bildqualität kann der Prozess eine Weile dauern. Erst dann ist Dein Projekt fertig. Nun kannst Du Dein Video abspielen und veröffentlichen.

Einzelne Clips im Video-Editor bearbeiten

Die eigentliche Videobearbeitung findet also kontinuierlich im Storyboard statt. Hier passt Du jedes einzelne Element an. Dabei hast Du für Videos mehr Möglichkeiten als für Fotos. Wenn Du ein Element markierst, kannst Du die Funktionen in der Menüleiste nutzen. Einige weitere erreichst Du per rechter Maustaste im Kontextmenü.

Funktionen für Videoclips

  • Du kannst ein Video Zuschneiden, also Anfang und Ende eines Clips trimmen. So nutzt Du nur eine bestimmte Passage einer Videoaufnahme – ohne eventuell missglückte Versuche vor der Kamera. Wenn Du auf die Funktion klickst, öffnet der Video-Editor ein neues Fenster. Über die beiden Marker unten legst Du Start- und Endpunkt genau fest. Dabei helfen auch die kleinen Pfeile, mit denen Du den Clip Einzelbild für Einzelbild durchsehen kannst. Beim Videoschnitt spricht man übrigens nicht von Einzelbildern, sondern von »Frames«.
Zuschneiden im Video-Editor der Fotos-App
Zuschneiden im Video-Editor der Fotos-App
  • Du kannst einen Clip Aufteilen, also in zwei Teile splitten. Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn Du dazwischen ein anderes Element einfügen willst. Im Bearbeitungsfenster legst Du fest, bei welchem Frame das Video geschnitten werden soll. Klicke danach auf Fertig. Im Storyboard erscheinen nun zwei separate Elemente.
  • Die Option Geschwindigkeit ist selbsterklärend: Lasse einzelne Clips bei Bedarf langsamer oder schneller laufen. Zeitlupe oder Zeitraffer können zum Beispiel bei Aufnahmen von naturwissenschaftlichen Experimenten spannend und sinnvoll sein.
  • Videoaufnahmen aus verschiedenen Quellen klingen oft unterschiedlich laut. Das kannst Du ausgleichen und die Lautstärke für jedes Video im Storyboard einzeln anpassen. Klicke auf das Lautsprechersymbol rechts unten im Clip und ziehe den Regler nach oben oder unten. Per Klick auf den Lautsprecher kannst Du den Clip stummschalten.
Lautstärke für einen Clip im Storyboard festlegen
Lautstärke für einen Clip im Storyboard festlegen

Funktionen für Fotos

  • Du kannst festlegen, wie lange jedes Bild angezeigt werden soll. Klicke in der Menüleiste des Storyboards auf Dauer, um eine Zeit in Sekunden anzugeben.
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Weitere Funktionen im Storyboard

Alle weiteren Funktionen kannst Du sowohl auf Videos als auch auf Fotos im Storyboard anwenden:

  • Mit der Funktion Text fügst Du Schrift ein, zum Beispiel den Namen einer Person oder zusätzliche Hinweise. Alle Möglichkeiten zur Gestaltung findest Du auf der rechten Seite: Gib oben den gewünschten Text ein und wähle einen der Schriftstile aus. Unter Layout unten rechts hast Du noch Einfluss auf die Position. Entscheide zuletzt noch unter dem Vorschaufenster, ab wann und bis wann der Text eingeblendet werden soll.
Text im Video-Editor einfügen
Text im Video-Editor einfügen
  • Unter Bewegung findest Du Möglichkeiten, das Bildelement beim Abspielen ein wenig zu animieren, also zum Beispiel größer werden zu lassen oder zu verschieben. Das kann der Ästhetik dienen und sehr statische Aufnahmen lebendiger wirken lassen.
  • Die verfügbaren 3D-Effekte sind eher Spielereien, an denen Deine Schüler*innen Freude haben könnten. Füge animierte Explosionen, Leuchtblitze, Schneeflocken, Schmetterlinge oder Konfetti-Regen ein – sofern es inhaltlich passt. Bei ernst zu nehmenden Inhalten wirst Du auf diese künstlich wirkenden Gimmicks wohl verzichten. Zu vielen der Effekte gehört auch ein Sound. Die Lautstärke können Sie in der rechten Spalte festlegen.
Effekte im Video-Editor: Feuer und Schneeflocken
Effekte im Video-Editor: Feuer und Schneeflocken
  • Filter kennst Du vielleicht von Social-Media-Apps wie Instagram. Durch Farbanpassungen kannst Du den Look von Videos und Fotos im Storyboard veredeln oder zumindest manipulieren. Auf Wunsch lässt Du Clips aber auch einfach schwarz-weiß oder pixelig aussehen – wie in einem alten Videospiel. Auch hier die Empfehlung: Wenn es um die Vermittlung von Inhalten in der Schule geht, ist weniger meist mehr.
  • Möchtest Du ein Element einbauen, das in einem anderen Bildformat vorliegt? Entscheide, ob Du die Größe eines Fotos oder Videos anpassen möchtest bzw. ob eventuell vorhandene schwarze Balken entfernt werden sollen. Die Einstellungen verbergen sich hinter dem nächsten Symbol in der Menüleiste oder alternativ im Kontextmenü eines Elements unter Skalieren.
  • Du kannst jedes Element Drehen, bei jedem Klick auf das Symbol jeweils um 90 Grad im Uhrzeigersinn.

Du kannst ein bearbeitetes Element in Deinem Storyboard auch mehrfach verwenden. Klicke mit der rechten Maustaste darauf und wähle im Kontextmenü den Eintrag Videoclip kopieren. Auf dieselbe Weise kannst Du an einer beliebigen Position das Video einfügen.

Übrigens: Alle Praxis-Artikel auf dieser Website stelle ich kostenlos zur Verfügung. In diesem Blog-Projekt steckt viel Arbeit, Zeit und Herzblut. Wenn Dir die Inhalte gefallen, dann magst Du mir dafür ja vielleicht mal einen Kaffee spendieren … ☕😉

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Musik und Sprachaufnahmen im Video-Editor einfügen

Mit passender Musik wirken Videos lebendiger. Unpassende Musik irritiert oder stört allerdings. Gerade Lehrvideos verzichten deshalb meist auf Musikeinsatz. Wirf zumindest einen Blick auf die Möglichkeiten hinter der Funktion Hintergrundmusik im Menü ganz oben.

Hintergrundmusik auswählen im Video-Editor
Hintergrundmusik auswählen im Video-Editor

Die App bietet Musikstücke für verschiedene Geschmäcker an. Entscheidend ist bei eingesetzter Musik auch, dass sie sich nicht in den Vordergrund drängt und dass alle Sprachanteile gut zu verstehen sind. Nutze den Regler für die Musiklautstärke unten und vertraue am besten Ihrem Gehör. Mache Musik im Zweifel noch etwas leiser, als Dein Gefühl es vorgibt.

Du kannst auch eigene Musiktitel auswählen, musst dafür aber oben im Menü stattdessen die Funktion Benutzerdefiniertes Audio bemühen. Klicke in der Spalte rechts oben auf Audiodatei hinzufügen. Suche dann eine oder auch mehrere Dateien auf Deiner Festplatte aus. In der linken Spalte kannst Du die Lautstärke festlegen, die Musik aber auch einblenden und ausblenden lassen. Das wirkt oft flüssiger und angenehmer fürs Ohr.

Benutzerdefiniertes Audio im Video-Editor
Benutzerdefiniertes Audio im Video-Editor

Verschiebe alle Audioclips an die gewünschten Stellen im Video, und zwar über die Zeitleiste unter dem Vorschaufenster. Auch Anfang und Ende kannst Du über die Marker links und rechts genau festlegen.


Fertiges Projekt als Videodatei exportieren

Wie oben schon beschrieben, musst Du zuletzt das Video fertig stellen, damit alle Elemente im Storyboard zu einer einzigen abspielbaren Videodatei zusammengefügt und exportiert werden. Danach kannst Du das Video abspielen und auf verschiedenen Wegen an Deine Schüler*innen weitergeben, zum Beispiel per Cloud oder mithilfe der Videoplattform Microsoft Stream.

Die Zusammenstellung als solche kannst Du im Video-Editor später jederzeit wieder aufrufen und bearbeiten. Es schadet nicht, aufwendige Projekte mitsamt aller verwendeten Elemente noch mal separat zu speichern. Sicher ist sicher! Klicke dazu im Drei-Punkte-Menü oben rechts auf Projekt sichern und wähle per Datei-Explorer einen Speicherort aus – wahlweise Deine Festplatte, ein externes Speichermedium* oder einen Ordner in der Cloud bzw. im Netzwerk.

Übrigens: Der Video-Editor der Foto-App eignet sich auch, um in kurzer Zeit eine Diashow mit Musik oder eigenem Audiokommentar zu erstellen. Platziere einfach die gewünschten Fotos in einer bestimmten Reihenfolge im Storyboard und lege jeweils eine Dauer fest. Dafür kannst Du auch mehrere Bilder gleichzeitig markieren. Während Du die Zusammenstellung im Vorschaufenster abspielst, zeichnest Du mit der App Sprachrekorder Deinen Audio-Kommentar auf. Die Aufnahme fügst Du dann im Video-Editor als Benutzerdefiniertes Audio ein. Anschließend kannst Du das Video fertig stellen. Einfacher geht’s kaum!

Der Video-Editor für Windows 10 ist also ein unterschätztes Tool mit vielen Möglichkeiten für die Videobearbeitung. Lehrer*innen und Schüler*innen können sich schnell einarbeiten und sehenswerte Ergebnisse erstellen. Für mehr Funktionen und höhere Ansprüche solltest Du ein umfangreicheres Schnittprogramm in Erwägung ziehen, zum Beispiel das erschwingliche MAGIX Video deluxe* für ambitionierte Amateure oder Adobe Premiere Pro* für professionellere Vorhaben.

Außerdem empfehle ich Dir mein Praxishandbuch „Microsoft 365 Education“. Darin erfährst Du u. a., wie eigene Erklärvideos mit Trickfilm-Sequenzen entstehen und wie Du mit Deinen Schülern eine eigene TV-Sendung produzierst.

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