Laptops und Tablets reparieren (lassen)

Bauen Hersteller ihre Laptops und Tablets absichtlich so, dass diese nach Ablauf der Garantie kaputt gehen und sich schlecht reparieren lassen? Latein-Lehrer aufgepasst: Geplante Obsoleszenz ist der Fachbegriff dafür. Er löst in Technikforen immer wieder Glaubenskriege aus. Bislang gibt es nämlich weder handfeste Beweise noch eindeutige Studien, die geplante Obsoleszenz als generelle Strategie von Firmen belegen. Trotzdem hält sich der Eindruck hartnäckig – in einer schnelllebigen Welt, in der immer wieder neue Hardware auf den Markt kommt und Kunden ständig „up to date“ sein wollen. Reparieren ist out, neu kaufen ist in. Was heißt das für Schulen und Bildungseinrichtungen, in denen vermehrt technische und elektronische Geräte zum Einsatz kommen? Was sollten Lehrende über Obsoleszenz und die eingeschränkten Reparatur-Möglichkeiten von Tablets und Laptops wissen?


Wie reparierbar sind Tablets und Laptops?

Fakt ist: Moderne elektronische Geräte lassen sich oft nur schlecht oder gar nicht reparieren. Das gilt auch für viele Tablets und Laptops, die gerade deutschlandweit als Dienstgeräte für Lehrer*innen angeschafft werden. Die Bauteile sind oft auf kleinstem Raum zusammengequetscht und verklebt. Eindrucksvoll zeigt das die Website iFixit für viele gängige Tablets und Laptops: Um die Reparierbarkeit zu testen, nimmt das Team die Modelle auseinander. Dann beurteilen die Experten, ob und wie sich einzelne Elemente austauschen lassen. Die Ergebnisse sind für die meisten populäre Geräte enttäuschend.

Surface Pro von innen - Quelle: https://de.ifixit.com/
Surface Pro von innen – Quelle: https://de.ifixit.com/

Warum man Tablets, Laptops und Handys so baut, kann ich oft nachvollziehen: Die elektronischen Begleiter sollen heute so mobil wie möglich sein. Kunden lechzen nach immer besserer Technik in möglichst flachen und leichten Gehäusen. Es ist durchaus beeindruckend, was die Hersteller in einem dünnen Smartphone so alles unterbringen. Darunter leidet dann eben auch die Flexibilität, bei Bedarf jedes Bauteil entnehmen und austauschen zu können.

Besonders ärgerlich ist das bei eingebauten Akkus. Aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften machen sie meist zuerst schlapp. Irgendwann kann das Gerät kaum noch genutzt werden kann. Das ist vor allem für Lehrer*innen ein Problem: Sie sind auf ihren Laptop oder Tablet-PC meist einen ganzen Schultag lang in verschiedenen Räumen angewiesen. Leider sind Akkus oft so im Gehäuse verklebt, dass ein Austausch selbst für erfahrene Dienstleister knifflig ist. Manche gehen in ihren Angeboten per se davon aus, dass dabei der Bildschirm bricht und direkt auch kostenpflichtig zu ersetzen ist.


Kaputt auf Zeit: Geplante Obsoleszenz – auf Wunsch der Kunden?

In Deutschland gab es bereits mehrere Studien und Gutachten zur geplanten Obsoleszenz. Die meisten kommen zu dem Schluss, dass die Qualität teurer Geräte oft besser ist. Deshalb halten diese auch meist länger als preiswerte Produkte. Das sind aber keine absichtlich eingebauten Schwachstellen, befand unter anderem die Stiftung Warentest bei einer Testserie.

Die Uni Bonn forschte 2016 fürs Umweltbundesamt zu dem Thema. Auch ihre Studie konnte nicht nachweisen, dass Elektrogeräte gezielt mit verkürzter Lebensdauer hergestellt werden. Vielmehr liege bei den Verbrauchern eine entscheidende Verantwortung: Sie kaufen häufiger neue Geräte, obwohl die alten noch funktionieren. Möglichst billig sollen sie auch sein. Deshalb haben Hersteller zum Beispiel einen kürzeren Lebenszyklus im Blick und setzen auf günstigere Materialien. Ein Teufelskreis!

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Ich gestehe: Auch mich reizt es, die jeweils neueste Generation elektronischer Geräte auszuprobieren. Immerhin sind die Entwicklungssprünge von PC-Hardware seit einigen Jahren nicht mehr ganz so groß. Bei der Veröffentlichung der oben genannten Studie appellierte man jedenfalls an die Konsumenten, beim Kauf verstärkt auf Technik zu setzen, die sich langfristig reparieren lässt.

Auch die Politik hat das Thema Obsoleszenz im Blick: Die EU will sich dafür einsetzen, dass wir Produkte länger nutzen und langfristig reparieren lassen können. Im Sinne der Nachhaltigkeit soll sich eine Reparatur nach Möglichkeit eher lohnen als eine Neuanschaffung. Ich persönlich hoffe eher darauf, dass der Druck der junger Kunden einen größeren Effekt hat: So fordert die Bewegung „Fridays for Future“ ja auch einen schonenderen Umgang mit Ressourcen für mehr Nachhaltigkeit und entsprechende Regeln von der Politik.


Was heißt das für Computer an Schulen?

Muss es immer der neueste, schnellste, beste PC sein? Brauchen alle Kolleg*innen zwingend das gleiche Top-Modell? Ich finde zunächst, dass man gerade im Bildungsbereich die Auswahl oft bewusster treffen kann, statt alle Lehrenden pauschal mit einem Standard-Tablet zu versorgen. Beim Abwägen hilft meist eine ehrliche Fallunterscheidung:

  • Für viele typische Aufgaben in Schule und Unterricht genügen vielleicht noch vorhandene PCs und ältere Laptops. Zum Präsentieren von Folien, zum Gestalten von Arbeitsblättern und zum Recherchieren im Internet reichen sie in der Regel problemlos aus. Kinder und Jugendliche müssen am Schul-PC ja auch meist keine aufwändigen 3D-Spiele zocken. Vielleicht lassen sich vorhandene Geräte auch aufrüsten und fest im Klassenzimmer installieren. Das aktuelle Betriebssystem Windows 10 läuft meist reibungslos auf Computern, die schon ein paar Jahre alt sind.
  • Gleichzeitig darf ein veraltetes Gerät aber den Unterricht in der Klasse nicht aufhalten. Nichts ist im Schulalltag nerviger als ein langsamer Internetbrowser, ruckelnde Videos und nicht enden wollende Windows Updates. Hier gilt es, ein ausgewogenes Konzept für verschiedene Lehrer-Bedürfnisse zu finden – vielleicht auch mit Blick auf verschiedene Unterrichtsfächer, die unterschiedliche Anforderungen mitbringen. Viele Schulen verpassen es vor der Anschaffung, die tatsächlichen Einsatzzwecke und sonstige Wünsche der Lehrkräfte einfach mal abzufragen.

Weitere Gedanken zu einer sinnvollen PC-Ausstattung für Lehrer*innen und Schüler*innen habe ich bereits in einem früheren Blog-Artikel formuliert.


Reparatur-Möglichkeiten vorab klären!

  • Gibt es beim Kauf neuer Geräte die Möglichkeit, die Standard-Garantie von zwei Jahren zu verlängern? Manche Hersteller und Händler setzen auf Langlebigkeit und bieten für den Reparaturfall bis zu fünf sorgenfreie Jahre an. Wäge ab, ob sich so eine Garantieverlängerung für Deine Einrichtung lohnt.
  • Kläre immer vorab, zu welchem Preis und wie schnell angeschaffte Geräte repariert werden können – vielleicht sogar beim Hersteller selbst. Bei einem großen Kollegium werden solche Fälle unweigerlich irgendwann eintreten. Dann solltest Du ohne aufwändige Recherche wissen, wie Du fix und unkompliziert eine Lösung findest.
  • Wer sein gesamtes Unterrichtsmaterial ausschließlich am dem Dienstgerät speichert, hat im Reparaturfall ein dickes Problem. Im schlimmsten Fall sind alle Dokumente und Dateien verloren. Allein aus diesem Grund lohnt sich für Schulen eine Cloud-Lösung wie OneDrive. Wie Du die Cloud sinnvoll einrichtest und als Lehrkraft auf verschiedenen PCs nutzt, erfährst Du ausführlich in meinem Praxishandbuch „Microsoft 365 Education“.
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  • Wie sind die Laptops und Tablets der Lehrer*innen eigentlich versichert? Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Situation in manchen Schulen und Kreisen komplett ungeklärt ist. Bei der Versicherung sollte auch geklärt sein, in welchem Umfang Reparaturen übernommen werden.
  • Diese Empfehlung liegt mir sehr am Herzen: Suche Dir für alle Fälle einen vertrauensvollen (!) IT-Dienstleister oder -Partner in der Nähe, der die Bedürfnisse von Schulen und Bildungseinrichtungen kennt. Er sollte Dich fair und verlässlich beraten können, ob sich im Ernstfall eine Reparatur lohnt.

    ACHTUNG: Es gibt im Internet diverse Anbieter, die mit falschen Aussagen auf Websites und in Foren bewusst Unsicherheit streuen und so für ihren PC-Reparatur-Service werben. Dieser beispielhafte Tweet einer Werkstatt ist natürlich inhaltlich Unfug und leicht zu widerlegen.

    Tweet eines PC-Reparatur-Service

    Auf meinen Hinweis hin wurde der Tweet übrigens gelöscht, die Aussage nachträglich geleugnet und ich als Autor mehrfach persönlich beleidigt. Man sei jetzt Opfer einer „Schmutzkampagne“. Da habe ich offenbar einen Nerv getroffen. 😉

    Fakt ist: Solche Firmen bieten gerne „prophylaktische Maßnahmen“ oder angeblich notwendige Reparaturen an – natürlich kostenpflichtig. Nicht vergessen: Die Werkstätten leben schließlich von Aufträgen und nutzen manchmal die Unwissenheit ihrer Kunden aus. Bei meiner Recherche stelle ich übrigens fest, dass unseriöse Anbieter auffällig oft die mutmaßliche geplante Obsoleszenz der Hersteller erwähnen (s.o.).
  • Alle obigen Überlegungen gelten übrigens nicht für individuelle Dienstgeräte, sondern auch für die Anschaffung von Smartboards, Beamern* und Bildschirmen in den Klassenzimmern. Achte bei dieser besonders teuren Technik zum Beispiel darauf, dass sie alle zeitgemäßen Anschlüsse mitbringt und nicht von einem internen Betriebssystem abhängig ist, für das es ggf. schon bald keine Updates mehr gibt.

Weitere perspektivische Fragen gehören aus meiner Sicht zu einem Technikkonzept: Wie viele Jahre sollen die angeschafften Laptops und Tablets im Einsatz sein? Nach wie vielen Jahren rechnen sie damit, dass sie von der nächsten Gerätegeneration abgelöst werden sollten? Gibt es vielleicht sogar eine Idee, was dann mit der alten Technik passieren soll?

Natürlich interessiert mich auch Deine Erfahrung: Wie sind Technik-Reparaturen an Deiner Schule geregelt? Weißt Du als Lehrer*in, an wen Du Dich bei Problemen wenden kannst? Welche Fragen sind bei Euch ungeklärt? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unter diesem Artikel!

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